Narkose beim Meerschweinchen

Vorbereitung und Nachsorge

Meerschweinchen sind wegen ihres empfindlichen Kreislaufs und einer ständig drohenden Hypothermie außerordentlich empfindliche Narkosepatienten.

Das Ausnüchtern des Meerschweinchens vor einer Operation ist nicht sinnvoll, da mangels erneuter Futteraufnahme auch die Magenentleerung sistiert. Das Meerschweinchen kann nicht erbrechen und somit gibt es auch kein Risiko der Futteraspiration in der Narkose zu befürchten. Eine Ausnüchterung könnte statt dessen zu einer Ketose führen, wodurch eine zusätzliche Narkosebelastung erst zu einem echten Risiko wird.

Natürlich sollen die Tiere auch nicht vollgefressen sein, am besten nimmt man ihnen 6-12 Stunden vor Narkosebeginn Grün- und Kraftfutter weg und bietet nur Heu und Wasser an.

Um einem Mangel vorzubeugen und die Rekonvaleszenz so kurz wie möglich zu halten, kann 5 Tage vor der Operation Vitamin C verabreicht werden.

Die Operation sollte immer auf einem elektrischen Wärmekissen erfolgen. Der geschorene Bereich muss so klein wie möglich gehalten werden, damit die Tiere möglichst wenig auskühlen.

Alle Meerschweinchen bleiben bis zum vollständigen Erwachen unter Beobachtung. Sie müssen unter Rotlicht, auf Wärmekissen oder zwischen mit warmem Wasser gefüllten Behältnissen (OP- Handschuhe, Infusionsflaschen) oder Hot- Packs aufrecht gelagert werden. Erst wenn die Körpertemperatur wieder im physiologischen Bereich (mindestens 38,5 °C) liegt, sie Futter aufnehmen, Kot und Harn abgesetzt haben und auch ansonsten fit wirken, sollten sie an den Besitzer zurückgegeben werden.

 

Anna

Das Schweinchen liegt nach der Operation zwischen zwei warmen Mineralwasserflaschen in stabiler aufrechter Lage

 

Sinnvoll ist es, 1-2 Stunden vor einer OP noch den Flüssigkeitshaushalt eines Tieres über subkutane Infusionen mit Elektrolytlösung auszugleichen, evtl.Tieren mit schlechtem Allgemeinbefinden Glukoselösung zur Vermeidung einer Hypoglykämie zu geben. Vorsicht bei Glukosegabe, über 2,5%ige Lösungen sind nicht mehr isoton und können zu Hautnekrosen führen.

Als Prämedikation hat sich der Einsatz von Prednisolon oder Methylprednisolonsuccinat zur Verhinderung intraoperativer Schockzustände, sowie die Applikation von Atropin zur Vermeidung einer gesteigerten Bronchosekretion bewährt. Dabei treten keine negativen Auswirkungen auf das Immunsystem der Tiere oder Wundheilungsstörungen auf.

Nach schmerzhaften Eingriffen ist der Einsatz von Analgetika (z.B. Metamizol), bei schweren postoperativen Schmerzen ist Buprenorphin (Temgesic) indiziert. Vorbeugend kann der berühmte "Metacam-Tropfen" vor dem Eingriff auch hier angewendet werden.

Die Pulsfrequenz kann durch ein Pulsoximeter bestimmt werden, das an den Ohren oder den Pfoten befestigt wird. Auf ein Ausbinden der Vordergliedmaßen sollte nach Möglichkeit verzichtet werden, um die Atmungsaktivität so wenig wie möglich zu beeinträchtigen.

Vorsicht: viele Meerschweinchen reagieren mit Störungen der Wundheilung und/oder Abszeßbildung auf manche Nahtmaterialien.

 

Inhalationsnarkose

Es sollte wenn möglich immer der Inhalationsnarkose der Vorzug gegeben werden. Ihr Vorteil besteht in kurzen Einleitungs- und Aufwachphasen sowie einer guten Steuerbarkeit. Die Isofluran -Narkose ist besonders für Kurznarkosen geeignet.

 

Zahnbehandlung unter Isofluran

 

Injektionsnarkose

Vorsicht: bei Meerschweinchen macht der Magen/Darm- Trakt 20 - 40 % des Gesamtgewichtes aus. Eine Dosierung nach dem absoluten Körpergewicht ist immer zu hoch!

Die gebräuchlichste Injektionsnarkose ist die Kombination von Ketamin mit Xylazin oder Medetomidin. Sie ist kostengünstig und ohne apparativen Aufwand durchzuführen, ist jedoch schlecht steuerbar und besitzt lange Einschlaf- und Aufwachphasen.

Sehr schonend ist die Narkose mit Medetomidin, Midazolam und Fentanyl (Hollmann), weil sie jederzeit komplett antagonisierbar ist (Antisedan, Anexate, Narcanti).

Kombination Injektion- / Inhalation

Diese Kombination bietet den Vorteil, dass durch eine sedierende Prämedikation Stress vermieden und die Gesamtmenge der Anästhetika gesenkt werden kann. Mittels Inhalation von Isofluran kann die Narkose beliebig vertieft oder verlängert werden. Diese Kombination wird besonders bei "großen" Operationen angewandt.

Vorteil dieser Kombination ist, dass man die Stärken beider Regime kombinieren und die Nachteile weitgehend ausschalten kann:

  • Bei der reinen Inhalationsnarkose mit Isofluran muss eine Prämedikation mit Atropin durchgeführt werden, da es sonst zu starker Salivation und Bronchosekretion kommt,
  • die alleinige Anwendung von Isofluran empfiehlt sich nur für kürzere, weniger schmerzhafte Eingriffe, weil es zwar hypnotisch und muskelrelaxierend, aber nur wenig analgetisch wirkt,
  • die reine Inhalationsanästhesie führt zu einem sehr starken Blutdruckabfall.

 

Beispiel eines Narkoseprotokolls für die Kastration.

 

Literaturhinweise

Ewringmann, A./Glöckner, B.:BpT Heimtiertagung, Frankfurt 2002 und 2003
Henke, J., Erhardt, W.: Schmerzmanagement bei Klein- und Heimtieren; Enke Verlag, Stuttgart 2001
Hollmann, P.: 12. Baden-Badener Fortbildungstage
Schweigart, G.: BpT-Seminar Zahnheilkunde 1999

 

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