Aus der Klinik und Poliklinik für kleine Haustiere der Freien Universität Berlin
Diabetes mellitus bei Kaninchen, Meerschweinchen und Chinchilla

Anja Ewringmann und Thomas Göbel

 

Zusammenfassung:
Diabetes mellitus bei Kaninchen, Meerschweinchen und Chinchilla

Anhand einiger Fallberichte wird über Diabetes mellitus-Erkrankungen von Kaninchen, Meerschweinchen und Chinchilla berichtet, wobei besonders klinische Aspekte, Diagnose und Therapieversuche erläutert werden. Blutzucker-Verlaufskontrollen werden tabellarisch dargestellt.

 

Summary:
Diabetes mellitus in rabbits, guinea pigs and chinchillas

Some cases of diabetes mellitus in rabbits, guinea pigs and chinchillas are reported with special reference to clinics, diagnosis and therapy. The courses of blood glucose levels are presented in tables.

 

Einleitung

Der Diabetes mellitus (D. m.) ist eine Erkrankung, die bei Hund und Katze relativ häufig vorkommt; es liegen bei diesen Tierarten bereits weitreichende Erfahrungen über Klinik, Diagnose und Therapie vor.

Eine Klassifizierung des Diabetes mellitus erfolgt in der Humanmedizin nach den Richtlinien der WHO (HEROLD,1996):

Primärer Diabetes mellitus

  • Typ I: Insulinabhängiger D. m. (= juveniler D. m., Insulinmangeldiabetes)
  • Typ II:Insulinunabhängiger D. m. (= Erwachsenendiabetes) durch periphere Insulinresistenz oder gestörte Insulinsekretion.

Sekundärer Diabetes mellitus

  • infolge von Pankreaserkrankungen, Endokrinopathien mit Vermehrung kontrainsulinärer Hormone oder medikamentell induzierten Hyperglykämien.

Die Einteilung in der Tiermedizin ist dagegen umstritten. DÄMMRICH und LOPPNOW (1990) halten die beim Menschen übliche Einteilung nach der Pathogenese bei Hund und Katze für nicht anwendbar, SUTER (1989) übernimmt dagegen die humanmedizinische Klassifizierung.

Der Diabetes mellitus wurde bereits bei Kaninchen (ROTH und CONWAY,1982) und verschiedenen Nagetierspezies, wie Meerschweinchen (LANG et al.,1976), Chinesischem Hamster (MEIER und YERGANIAN, 1959; LIKE et al.,1974), Ratte (SCHMIDT NIELSEN et al..1963) und Maus (BOUCHER und NOTKINS,1973), beschrieben. Solche Berichte stammen fast ausschließlich aus der Versuchstierkunde, und die Untersuchungen zielen vor allem darauf ab, Tiermodelle des Diabetes mellitus für die humanmedizinische Forschung zu nutzen. Berichte aus der Veterinärmedizin, die den Diabetes mellitus bei Kleinsäugern im Hinblick auf Klinik, Diagnose und Therapie schildern, sind derzeit aber noch nicht verfügbar. Die eigenen Beobachtungen zeigen jedoch, daß der Diabetes mellitus eine Erkrankung ist, die beim Heimtier eine nicht zu unterschätzende Rolle spielt.

Im Folgenden soll anhand von Fallbeispielen über das klinische Bild des Diabetes mellitus sowie über Therapieversuche bei Kaninchen, Meerschweinchen und Chinchilla berichtet werden.

 

Patientengut und Methodik

Die besprochenen Kleinsäuger wurden im Rahmen der "Heimtiersprechstunde" in der Klinik und Poliklinik für kleine Haustiere der FU Berlin vorgestellt.

Die Blutentnahmen erfolgten bei den Tieren vorwiegend aus der Vena saphena lateralis (HOLTZMANN,1994). Kaninchen wurden zu diesem Zweck in Seitenlage, Meerschweinchen und Chinchillas in Brust-Bauch-Lage fixiert (EWRINGMANN und GÖBEL, 1996). Außerdem erfolgten Blutentnahmen während der Blutzucker-Verlaufskontrollen aus der Vena cephalica sowie bei Kaninchen aus der Ohrrandvene (MADER,1997). Zur Venenpunktion wurden, je nach Größe des Tieres, 0,90 x 40-mm-, 0,70 x 30- mm- oder 0,55 x 25-mm-Kanülen verwendet.

Die Ermittlung des Blutzuckerspiegels erfolgte mit dem Analysegerät Electrolyte 14+ Analyzer (Fa. Nova Biomedical) sowie mit dem Analysegerät Reflotron (Fa. Boehringer Mannheim).

Die Harngewinnung erfolgte mittels Katheter (Katzen-Katheter, 1.0 x 130 mm oder dünne Ernährungssonden) oder durch manuelles Ausdrücken der Blase, wobei der Urin in einer sterilen Nierenschale aufgefangen wurde.

Die Untersuchung des Urins wurde mit Teststreifen "Combur ®-Test, Boehringer Mannheim) durchgeführt.

Zur Insulintherapie wurde ein kombiniertes Rinder- und Schweine-Insulin (Insulin lente® MC, Novo Nordisk Pharma GmbH) eingesetzt.

 

Fallbeschreibungen
1. Kaninchen

Der Diabetes mellitus des Kaninchens gleicht im wesentlichen dem Insulin-unabhängigen Diabetesmellitus des Menschen (= Altersdiabetes) (ROTH und CONAWAY,1982).

Die histo-pathologische Untersuchung des Pankreas zeigt. im Gegensatz zu anderen Tierarten, eine Hypergranulation der ß-Zellen, weshalb als Ursache der Erkrankung eine Störung der Insulinsekretion vermutet wird (CONAWAY et al.,1981 ).

Fallbericht 1

Anamnese und klin. Allgemeinuntersuchung:

Ein 3jähriges, weibliches Kaninchen wurde wegen übermäßiger Tränkeaufnahme (bis zu 1 l/Tag), Polyurie mit unkontrolliertem Harnabsatz und Polyphagie bei ständig fortschreitender Abmagerung vorgestellt. Das Tier war im Alter von 4 Wochen aus einem Tierlabor übernommen worden und zeigte bereits seit seiner Jugend eine gesteigerte Wasseraufnahme. Das Tier wies bei mäßigem Ernährungszustand (3 kg) ein ungestörtes Allgemeinbefinden auf.


Katarakt bei einem Kaninchen

Spezielle Untersuchungen:

Die Röntgenuntersuchung erbrachte keine auffälligen Befunde. Die Blutuntersuchung ergab folgende Werte: Hämoglobin 8,1 g/dl, Erythrozyten 4,18 Mio/NI, Leukozyten 2,1 Tsd/NI, Hämatokrit 25 %, Thrombozyten 219 Tsd/NI, Natrium 130 mmol/I, Kalium 5,2 mmol/I, Harnstoff 63 mg/dl, Kreatinin 1,97 mg/dl, GPT 85 IU/I, GLDH 14,6 IU/I, alk. Phosphatase 24 IU/I, Blutzucker 882 mg/dl, Insulin 8.2 IU/I

Bei der Harnuntersuchung konnten neben einem spez. Gewicht von 1020 und einem pH-Wert von 8 massenhaft amorphe Salze sowie außerdem eine hochgradige Glukosurie nachgewiesen werden.

Therapie:

Das Kaninchen erhielt in den ersten zwei Behandlungstagen 2 IE/kg Insulin lente® MC s. c.: ab dem dritten Tag wurde die Dosis auf 3 IE/kg erhöht. Eine Kontrolle des Blutzuckers erfolgte vor Insulingabe sowie 3, 6 und 12 h post injectionem. Der Verlauf der Blutzuckerspiegel ist in Tabelle 1 zusammengestellt.

Bereits nach wenigen Tagen waren bei dem Tier eine Abnahme der Trink- und Harnmenge zu beobachten. Ein am Entlassungstag erstelltes Blutprofil ergab eine Normalisierung aller Parameter: Hämoglobin 8,4 gidl. Erythrozyten 4,65 Mio/NI, Leukozyten 5,3 Tsd/µI. Hämatokrit 29%, Thrombozyten 243 Tsd/NI, Natrium 136 mmol/I, Kalium 4,4 mmol/I, Harnstoff 46 mg. dl. Kreatinin 1,7 mg/dl, GPT 26 IU/I, GLDH 4,9 IU/l, AP 44 IU/L.

Weiterer Verlauf:

Das Tier wurde nach seiner Entlassung zunächst wöchentlich, später im Abstand von etwa 2 bis 3 Monaten kontrolliert. Die Blutzuckerwerte lagen stets zwischen 100 und 300 mg/dl. Zu keinem Zeitpunkt ließ sich im Urin Glukose nachweisen. Das Trink- und Futterverhalten hatten sich normalisiert. Polyurie war nicht mehr zu beobachten und das Tier hatte an Gewicht zugenommen. Nach 2 Jahren verstarb das Tier plötzlich, nach Aussagen der Besitzerin ohne vorhergehende Krankheitssymptome.

Pathologische Untersuchung:

Das Kaninchen wies bei der Sektion einen Hydrothorax und einen Hydrops ascites auf. Weitere Befunde waren eine beidseitige Herzkammerdilatation aufgrund chronischer Myokarddegeneration mit Herzmuskelfibrose, eine hochgradige knorpelige Metaplasie der Tunica media der Aorta sowie eine chronische interstitielle Pneumonie. Die Leber war stark vergrößert und wies eine tettige Leberzelldegeneration und eine nicht-eitrige Hepatitis auf. Die Zentralvenen zeigten Fibrosierungen. Weiterhin lag eine Pankreaszirrhose bei chronisch-atrophierender, mononukleärer Pankreatitis vor. Die Langerhans-Inseln waren atrophiert.

Tabelle 1: Blutzucker-Verlaufskontrolle von Kaninchen 1

  Tag 1 Tag 2 Tag 3 Tag 4 Tag 5 Tag 6 Tag 7 Tag 8 Tag 9
Insulingabe583 mg/dl575 mg/dl576 mg/dl432 mg/dl506 mg/dl343 mg/dl300 mg/dl307 mg/dl258 mg/dl
3 h post inj540 mg/dl543 mg/dl553 mg/dl423 mg/dl480 mg/dl318 mg/dl265 mg/dl247 mg/dl239 mg/dl
6 h post inj.512 mg/dl486 mg/dl374 mg/dl312 mg/dl317 mg/dl256 mg/dl228 mg/dl196 mg/dl202 mg/dl
12 h post inj.463 mg/dl460 mg/dl228 mg/dl196 mg/dl205 mg/dl159 mg/dl162 mg/dl124 mg/dl 

Fallbericht 2

Anamnese und klin.Allgemeinuntersuchung:

Ein 4jähriges, weibliches Kaninchen mit einem Gewicht von 1,8 kg wurde vorgestellt, da es innerhalb kurzer Zeit eine deutliche Linsentrübung des linken Auges entwickelt hatte. Der Besitzerin fiel außerdem auf, daß das Tier große Mengen trank und einen gesteigerten, unkontrollierten Harnabsatz aufwies. Auch zeigte das Kaninchen eine Polyphagie bei ständig fortschreitender Abmagerung.

Das Tier wies bei mäßigem Ernährungszustand ein ungestörtes Allgemeinbefinden auf. Die weitere klinische Untersuchung erbrachte keine auffälligen Befunde, bis auf eine linksseitige mature Katarakt.

Spezielle Untersuchungen:

Die Blutuntersuchung ergab einen Blutzuckerwert von 687 mg/dl. Das Blutbild sowie weitere blutchemische Parameter zeigten keine Abweichungen von der Norm. Bei der Untersuchung des Urins waren ein spez. Gewicht von 1025, ein pH-Wert von 8 und eine hochgradige Glukosurie feststellbar. Der Blutzuckerspiegel wurde im Laufe des Vorstellungstages und am nächsten Tag kontrolliert, wobei Werte zwischen 645 mg/dl und 664 mg/dl auftraten.

Therapie:

Dem Tier wurden in den ersten drei Tagen 1x täglich 2 IE/kg Insulin lente® s. c. appliziert. Blutzuckerkontrollen erfolgten bei Insulinapplikation sowie 3, 6 und 12 Stunden post injectionem. Bei dieser Dosierung sank der Blutzucker lediglich bis auf 413 mg dl ab, so daß ab dem 4. Tag die Insulindosis auf 3 IE/kg erhöht wurde. Mit dieser Dosierung konnte eine deutliche Senkung des Blutzuckers erreicht werden, wobei anfänglich starke zeitliche Schwankungen auftraten (s. Tabelle 2). Das klinische Bild des Tieres verbesserte sich zusehends. Die Trinkmenge sank von anfangs etwa 350 ml auf ca 50 ml, die Menge des Harnabsatzes nahm deutlich ab. Das Tier wurde am 7. Tag nach Therapiebeginn entlassen.

Weiterer Verlauf:

Das Tier wurde zunächst wöchentlich, später im Abstand von einigen Monaten kontrolliert. Dabei wurden die Blutzuckerwerte 0. 3 und 6 Stunden post injectionem bestimmt. Die Werte lagen stets im physiologischen Bereich. Polyphagie. Polydypsie und Polyurie traten nicht mehr auf und das Kaninchen hatte deutlich an Gewicht zugenommen.

Tabelle 2: Blutzuckerwerte des Kaninchens 2 während der Insulineinstellung

 Tag 1Tag 2Tag 3Tag 4Tag 5Tag 6Tag 7
Insulingabe664 mg/dl629 mg/dl635 mg/dl641 mg/dl526 mg/dl432 mg/dl429 mg/dl
3 h post inj632 mg/dl581 mg/dl563 mg/dl525 mg/dl442 mg/dl326 mg/dl298 mg/dl
6 h post inj.524 mg/dl502 mg/dl491 mg/dl398 mg/dl312 mg/dl263 mg/dl 
12 h post inj.467 mg/dl413 mg/dl438 mg/dl224 mg/dl197 mg/dl177 mg/dl 

 

2. Meerschweinchen

Der Diabetes mellitus des Meerschweinchens ähnelt dem juvenilen (= insulinabhängigen) Diabetes mellitus des Menschen. Nachdem zunächst eine genetische Prädisposition als Krankheitsursache vermutet wurde, gehen viele Autoren mittlerweile davon aus, daß eine Virusinfektion für die Entstehung der Erkrankung verantwortlich ist, wobei das infektiöse Agens bisher jedoch nicht identifiziert werden konnte (LANG et al., 1976; LANG et al.,1977; LEE et al.,1978).

Als Normwerte für den Blutzuckerspiegel des Meerschweinchens werden in der Literatur 60-125 mg/dl angegeben (HILLYER et al.,1997).

Fallbericht 3

Anamnese und klin. Allgemeinuntersuchung:

Zwei 2jährige, weibliche Meerschweinchen, die aus demselben Wurf stammten, wurden von ihrer Besitzerin vorgestellt, da eines der Tiere innerhalb weniger Wochen eine beidseitige Linsentrübung entwickelt hatte. Beide Tiere zeigten einen guten Ernährungs- und Allgemeinzustand. Außer einer beidseitigen immaturen Katarakt bei einem der Meerschweinchen waren keine auffälligen Befunde zu erheben.

Spezielle Untersuchungen:

Bei Tier 1 (mit Katarakt) fielen bei der Blutuntersuchung ein Blutzuckerspiegel von 232 mg/dl sowie ein hoher Glukosegehalt des Urins auf. Das Schwestertier (Tier 2) wies einen Blutzuckerwert von 325 mg/dl und ebenfalls eine Glukosurie auf. Beide Tiere wurden zur weiteren Behandlung stationär aufgenommen.

 

Tabelle 3: Blutzuckerwerte der Meerschweinchen 1 und 2 während des stationären Aufenthaltes

  Tier 1Tier 2
Tag 1

 

 

 

Tag 2

 

 

 

Tag 3

 

 

 

Tag 4

Insulingabe

3 h post inj

6 h post inj

12 h post inj

Insulingabe

3 h post inj

6 h post inj

12 h post inj

Insulingabe

3 h post inj

6 h post inj

12 h post inj

Insulingabe

3 h post inj

6 h post inj

396 mg/dl

325 mg/dl

298 mg/dl

163 mg/dl

370 mg/dl

331 mg/dl

309 mg/dl

157 mg/dl

267 mg/dl

220 mg/dl

198 mg/dl

142 mg/dl

240 mg/dl

205 mg/dl

169 mg/dl

331 mg/dl

325 mg/dl

265 mg/dl

221 mg/dl

335 mg/dl

285 mg/dl

258 mg/dl

164 mg/dl

269 mg/dl

209 mg/dl

169 mg/dl

128 mg/dl

223 mg/dl

201 mg/dl

132 mg/dl

 

Therapie:

Beide Tiere wurden 1 x tägl. mit 1 IE/kg Insulin lente® MC s. c. behandelt. Die Blutzuckerwerte wurden vor der Insulinapplikation sowie 3, 6 und 12 Stunden post injectionem kontrolliert. Der Verlauf der Blutzuckerspiegel ist in Tabelle 3 dargestellt.

Weiterer Verlauf:

Die Meerschweinchen wurden nur noch ein Mal in der Klinik vorgestellt, wobei eines der Tiere einen Blutzuckerwert von 312 mg/dl aufwies, der des zweiten Tieres lag im Normbereich. Bei Nachfrage stellte sich heraus, daß die Besitzerin anscheinend nicht in der Lage war, die Tiere selber ordnungsgemäß zu behandeln und die Insulingabe zudem nur unregelmäßig erfolgte.

 

Fallbericht 4

Anamnese und klin. Allgemeinuntersuchung:


Katarakt beim Meerschweinchen

Ein 2jähriges, weibliches Meerschweinchen wurde wegen einer Polydipsie und Polyurie in der Klinik vorgestellt. Das Tier zeigte ein ungestörtes Allgemeinbefinden und einen sehr guten Ernährungszustand mit einem Gewicht von 937 g. Die klinische Untersuchung erbrachte zunächst keine auffälligen Befunde.

Spezielle Untersuchungen:

Bei der Blutuntersuchung fiel ein Blutzuckerwert von 491 mg/dl auf. Andere hämatologische und blutchemische Parameter lagen im Normbereich. Der Urin wies ein spez. Gewicht von 1022 bei einem pH-Wert von 8 auf und enthielt in großen Mengen Glukose und amorphe Salze. Bei einer erneuten Überprüfung des Blutzuckerspiegels am nächsten Tag lag dieser bei 384 mg/dl und das Tier wurde zur Behandlung stationär aufgenommen.

Therapie:

Das Meerschweinchen erhielt 1 x tägl. (morgens) 1 IE/kg Insulin lente® MC s. c. und der Blutzuckerspiegel wurde vor der Applikation sowie 3. 6 und 12 Stunden post injectionem kontrolliert. Die Ergebnisse sind in Tabelle 3 zusammengestellt.

Weiterer Verlauf: Der Blutzuckerspiegel des Tieres wurde nach der Entlassung in regelmäßigen Abständen (2-3 Wochen) ambulant kontrolliert. Dabei erfolgte die erste Blutentnahme 1 Stunde nach Insulinapplikation durch die Besitzerin, zwei weitere im Abstand von je 3 Stunden. Bei der ersten Blutentnahme waren in allen Fällen Blutzuckerwerte zwischen 250 und 300 mg/kg zu beobachten. Bei der dritten Blutentnahme (7 Stunden nach Insulingabe) lagen die Werte in keinem Fall über 150 mg/dl. Nach Aussagen der Besitzerin hatte sich das Trinkverhalten des Tieres normalisiert, Polyurie konnte nicht mehr beobachtet werden.

Tabelle 4: Verlauf des Blutzuckerspiegels von Meerschweinchen 3 während des stationären Aufenthaltes

 Tag 1Tag 2Tag 3Tag 4
Insulingabe363 mg/dl332 mg/dl290 mg/dl253 mg/dl
3 h post inj.342 mg/dl315 mg/dl278 mg/dl243 mg/dl
6 h post inj.253 mg/dl252 mg/dl250 mg/dl205 mg/dl
12 h post inj.227 mg/dl205 mg/dl195 mg/dl96 mg/dl

 

3. Chinchilla

Angaben zum Diabetes mellitus des Chinchillas sind in der Literatur kaum zu finden. Lediglich MARLOW (1995) berichtet von einem Chinchilla mit Hyperglykämie, Glukosurie und beidseitiger Katarakt. Der Blutzucker-Normalwert des Chinchillas wird in der Literatur mit 60-120 mg/dl angegeben(HILLYER et al. 1997).

Fallbericht 5

Anamnese und klin. Allgemeinuntersuchung:

Ein 1-jähriges männliches Chinchilla wurde in der Klinik vorgestellt, da die Besitzer es morgens in Seitenlage vorgefunden hatten. Das Tier war andernorts bereits wegen Inappetenz, Apathie und einer leichten Konjunktivitis mit einem Antibiotikum und Vitaminen vorbehandelt worden. Das Tier wurde mit weiteren 12 Artgenossen in einer Großvoliere gehalten. Die Zucht, die mittlerweile aus drei Generationen bestand, ging auf ein einziges Chinchillapaar zurück, die Vermehrung erfolgte unkontrolliert.

Das vorgestellte Tier war apathisch, exsikkotisch und hatte blasse Schleimhäute sowie eine Körpertemperatur von 34,2o C. Der Ernährungszustand war mäßig. Die Anogenitalregion war urinverschmiert, das Abdomen angespannt.

Spezielle Untersuchungen:

Röntgenaufnahmen zeigten einen aufgegasten Magen, eine Hepatomegalie und ein insgesamt verwaschenes Abdomen.

Die Blutuntersuchung ergab folgende Werte: Hämoglobin 11,1 g/dl, Erythrozyten 7,15 Mill/µI, Leukozyten 13,29 Tsd/µI, Hämatokrit 34,7 %, Thrombozyten 168 Tsd/NI, Harnstoff 149,7 mg/dl, Kreatinin 0,88 mg/dl., GPT 55 IU/I, GOT 165 IU/I, AP 119 IU/I und Blutzucker 529 mg/dl. Bei der Harnuntersuchung konnten große Mengen an Glukose sowie außerdem Ketonkörper und Bakterien nachgewiesen werden.

Therapie:

Das Chinchilla wurde stationär aufgenommen und zunächst einer Schockbehandlung unterzogen: 40 ml/kg Vollelektrolytlösung (Sterofundin® s. c., 10 mg/kg Prednisolon (Solu Decortin®) i. m., 0,1 ml/kg Effortil®. Außerdem erhielt das Tier 10 mg/kg Enrofloxacin (Baytril®) s.c.

Der Zustand besserte sich deutlich und das Tier konnte innerhalb weniger Stunden wieder aufrecht sitzen. Es fraß jedoch nicht selbständig und wurde daher zwangsgefüttert.

Am nächsten Tag wurde eine zusätzliche Behandlung mit 1 x tägl. 2 IE/kg KM Insulin lente® MC s. c. eingeleitet. Da mit dieser Dosierung der Blutzuckerspiegel zu keinem Zeitpunkt unter 400 mg/dl abfiel, wurde die Dosis am 3. Behandlungstag auf 3 IE/kg KM erhöht. Der Blutzuckerspiegel sank daraufhin in den nächsten drei Tagen auf Werte um 300 mg/dl ab und das Tier begann selbständig zu fressen. In den nächsten beiden Tagen verschlechterte sich der Allgemeinzustand des Tieres jedoch wieder zusehends und das Chinchilla verstarb am 8. Behandlungstag.

Pathologische Untersuchung:

Bei dem Chinchilla konnten eine hochgradige degenerative, großtropfige Leberverfettung sowie eine reaktive lymphozytäre Hepatitis festgestellt werden. Daneben war an den Nieren eine Tubulonephrose, an der Harnblase eine chronische Zystitis mit Destruktion des Mukosaepithels zu beobachten. Es lag außerdem eine lymphozytäre Myokarditis vor. Im Pankreas war intaktes Gewebe weitgehend durch abnorm proliferierendes, homoiotypisches Gewebe verdrängt; Langerhans-Inseln waren nicht mehr auffindbar. Die Veränderung wurde als Pankreasadenom angesprochen.

Nachfolgende Untersuchungen:

Bei allen weiteren 12 Tieren des Bestandes wurden Blutzuckerkontrollen durchgeführt. Bei dem ältesten männlichen Tier, das sowohl Vater als auch Großvater des verstorbenen Chinchillas war, konnte ein Blutzuckerwert von 368 mg/dl ermittelt werden. Bei allen anderen Tieren lagen die Werte im Normbereich. Eine Behandlung des diabetischen Tieres wurde von den Besitzern abgelehnt.

 

Fallbericht 6

Anamnese und klin. Allgemeinuntersuchung:

Ein 4jähriges weibliches Chinchilla wurde wegen rechtsseitiger Linsentrübung und Polydipsie vorgestellt. Das Tier zeigte bei gutem Allgemeinbefinden einen mäßigen Ernährungszustand.

Spezielle Untersuchungen:

Bei der Blutuntersuchung wurde ein Blutzuckerspiegel von 284 mg/dl ermittelt. Die Besitzer lehnten weitere Überprüfungen des Blutzuckerspiegels und eine Behandlung des Chinchillas ab.

 

Diskussion

Der Diabetes mellitus ist bei verschiedenen Nagern, wie beim Chinesischen Hamster, der Maus und dem Meerschweinchen, ebenso wie beim Kaninchen bereits in einer Reihe von Studien untersucht worden. Viele der Untersuchungen beschäftigen sich jedoch mit experimentell induzierten Erkrankungen (WELLMANN et al., 1967; LAZARUS und SHAPIRO, 1973), während die Berichte über ein spontanes Auftreten des Diabetes seltener sind. Diese Studien wiederum versuchen, v. a. die genetischen Hintergründe der Krankheitsentstehung zu klären und beschäftigen sich vorwiegend mit au wendigen labordiagnostischen (Glukose-Toleranztest, Insulinbestimmung) und histopathologischen Untersuchungen. Angaben zu konkreten Therapieschemata und damit in Zusammenhang stehenden Blutzuckerverlaufskontrollen existieren jedoch nicht.

Erfahrungen aus der Klinik zeigen aber, daß Diabetes mellitus-Fälle durchaus auch bei Heimtieren auftreten und eine Behandlung dieser Patienten erforderlich ist.

Der Therapieansatz erfolgte bei den Kleinsäugern in Anlehnung an Hund und Katze.

Die empfohlenen Initialdosen beim Einsatz eines Langzeit-Insulins schwanken dabei zwischen ½' bis 1½ IE/kg (SUTER,1989; KRAFT,1990), so daß wegen der höheren Stoffwechselrate von Kleinsäugern initiale Dosen von 1-2 IE/kg verwendet wurden.

Eine Umstellung der Fütterung erfolgte nicht; den Tieren wurde Futter über den gesamten Tag zur Verfügung gestellt, wobei morgens und abends Grün- und Kraftfuttergaben erfolgten. Heu stand ad libitum zur Verfügung.

Problematisch war die regelmäßige Kontrolle des Blutzuckerspiegels, die nach den Empfehlungen von KRAFT (1991) während der Insulineinstellung alle 2-3 Stunden erfolgen sollte. Die Blutentnahme beim Kleinsäuger ist jedoch weitaus problematischer als bei Hund und Katze, und aus der Vene einer Gliedmaße kann in der Regel nur wenige Male Blut gewonnen werden. Daher mußten die Kontrollen auf ein Minimum beschränkt werden. Als Zeiten für die Blutentnahme wurden so die Stunden 0, 3, 6 und 12 gewählt. Lente-Insuline erreichen ihr Wirkungsmaximum 12 Stunden nach Applikation (SUTER,1989), so daß nach diesem Zeitpunkt ein weiterer Abfall des Blutzuckerspiegels mit der Gefahr einer Hypoglykämie gering war.

Wie die Blutzuckerverlaufskontrollen zeigen, lagen die Glukosespiegel der behandelten Tiere auch 12 Stunden nach Insulinapplikation meist noch etwas über den in der Literatur angegebenen Normwerten. Das klinische Bild der Tiere besserte sich jedoch trotzdem deutlich und im Harn war keine Glukose mehr nachweisbar, so daß keine weiteren Veränderungen der Insulindosis vorgenommen wurden. Möglicherweise sollte in Zukunft der Versuch erfolgen, die Insulinmenge auf zwei tägliche Gaben aufzuteilen. Um einen konstanteren Blutzuckerspiegel zu erreichen. Dies würde allerdings wiederum eine größere Anzahl von Blutzuckerkontrollen erforderlich machen.

Dem Diabetes mellitus des Kaninchens scheint eine genetische Prädisposition zugrunde zu liegen, aber auch bestimmte, bisher nicht näher bekannte Umwelteinflüsse werden für eine Entstehung der Erkrankung verantwortlich gemacht (CONAWAY et al., 1980; CONAWAY et al., 1981). Histo-pathologische Untersuchungen von an Diabetes erkrankten Kaninchen zeigen eine Hypergranulation der ß-Zellen des Pankreas, bei gleichzeitig verminderten Insulinspiegeln des Serums (CONAWAY et al.,1981), weshalb vermutet wird, daß eine Störung des Insulin-Sekretionsmechanismus vorliegen muß (ROTH et al.,1980).

Erkrankte Kaninchen zeigen im Gegensatz zu anderen Tierarten keine Adipositas (CONAWAY et al.,1981) und gelten daher als Tiermodell für den Diabetes mellitus Typ Ila des Menschen, der einen insulinunabhängigen Diabetes bei Normalgewichtigen darstellt (HEROLD, 1996). Nach den eigenen Beobachtungen scheint dieser Vergleich nicht ganz korrekt zu sein. Erkrankte Kaninchen zeigten zwar keine Adipositas, aber auch kein normales Gewicht, sondern bei zunehmender Futteraufnahme langsam fortschreitende Gewichtsverluste; die Tiere wurden in nur mäßigem Ernährungszustand vorgestellt.

Die beobachteten Symptome, wie Polyphagie, Polydipsie, Polyurie, Glucosurie und die Entstehung von Katarakten entsprechen den Berichten verschiedener Autoren (ROTH et al.,1980; CONAWAY et al.,1981 ).

Über die Veränderungen von Blutparametern bei Diabetes-Kaninchen existieren in der Literatur keine Angaben. Ein Anstieg der Leberenzyme, eine Hyponatriämie, ein Anstieg des Harnstoff-Spiegels und gelegentlich auch ein leichter Anstieg des Serum-Kaliums sind Befunde, die bei Hund und Katze beobachtet werden können (KRAFT und REUSCH,1990). Gleiche Veränderungen lagen auch bei Kaninchen 1 vor. Bei dem Tier erfolgte außerdem eine Bestimmung des Insulinspiegels, bei der ein Wert von 8,2 IU/I ermittelt wurde. Als Normalbereich für gesunde Kaninchen geben CONAWAY et al. (1981) 8,44 t 0,76 IU/I, für diabetische Kaninchen von 6,08 t 0,82 IU/I an. Bei diesen Angaben handelt es sich allerdings um Nüchtemwerte, wogegen bei dem untersuchten Tier keine Hungerperiode vorausging. Der gemessene Wert dürfte daher als zu niedrig eingestuft werden.

Die Harnuntersuchungen ergaben bei beiden Kaninchen eine hochgradige Glukosurie, Ketonkörper konnten dagegen nicht nachgewiesen werden. Dies deckt sich mit den Angaben von CONAWAY et al. (1981 ). Die den Diabetes mellitus des Kaninchens als "nicht-ketotisches Syndrom" bezeichnen, da von ihnen untersuchte Tiere keine Ketonurie und nur in Einzelfällen eine geringgradige Ketonämie zeigten.

Bei dem ersten der vorgestellten Kaninchen (Fallbericht 1) konnten im Rahmen der pathologischen Untersuchung hochgradige Organveränderungen festgestellt werden. Dies steht im Gegensatz zu den bisher veröffentlichten Berichten verschiedener Autoren, die bei diabetischen Kaninchen, außer der bereits erwähnten Hypergranulation der ß-Zellen, keinerlei pathologische Veränderungen (Entzündungssymptome, Amyloidose, Fibrosierung) des Pankreas ermitteln konnten (CONAWAY et al.,1980; ROTH et al.,1980; ROTH und CONAWAY 1982). Auch andere Organsysteme waren bei diesen Untersuchungen meist unauffällig. Als einzige Veränderungen traten geringgradige membranöse und proliferative Glomerulonephritiden sowie leichte Verkalkungen der Basalmembranen von Tubuli und Bowman-Kapseln auf. Bei dem vorgestellten Kaninchen konnte dagegen eine hochgradige Pankreaszirrhose mit Inselatrophie aufgrund einer chronischen Pankreatitis ermittelt werden. Mit diesem Krankheitsgeschehen können außerdem das Vorliegen einer Leberverfettung und das Auftreten von Entzündungssymptomen in anderen Organen in Zusammenhang stehen. Beim Menschen sowie auch bei Hund und Katze ist bekannt, daß im Rahmen eines Diabetes mellitus Resistenzminderungen mit der Gefahr von bakteriellen Infektionen, v. a. der Haut und Harnwege sowie außerdem Leberverfettungen und Nephropathien auftreten können (SUTER,1989; HEROLD,1996).

Über eine Therapie diabetischer Kaninchen existieren in der Literatur kaum Angaben. Lediglich CONAWAY et al. (1981 ) geben eine Insulin-Dosierung von 4-8 IE/Tier/d an, wobei die Angaben sich auf Weiße Neuseeländer mit einem mittleren Gewicht von etwa 3,2 kg beziehen. Dies entspricht einer Dosis von etwa 1-2 IE/kg und damit auch der in der Klinik eingesetzten Dosierung.

 

Beim Diabetes mellitus des Meerschweinchens wurde zunächst eine genetische Prädisposition vermutet, da Erkrankungen gehäuft in Inzuchtbeständen beobachtet werden konnten. Nach dem Zukauf von nicht-verwandten Tieren in den Bestand entwickelten diese jedoch innerhalb von wenigen Wochen oder Monaten diabetische Symptome, so daß eine infektiöse Usache der Krankheit angenommen wurde (LANG et al.,1976). Versuche mit embryonierten Hühnereiern, die mit dem Harn diabetischer Meerschweinchen beimpft wurden, erbrachten deutliche degenerative Veränderungen des Allantochorions und führten zum Nachweis virusähnlicher Partikel, die jedoch nicht näher klassifiziert werden konnten (LEE et al.,1978). LANG et al. (1976) konnten dagegen bei diabetischen Meerschweinchen histologisch keine Anzeichen einer klassischen Virusinfektion, in Form von Nekrose oder Entzündung der Inselzellen, feststellen. Auch gelang ein Nachweis von Viruspartikeln weder im Pankreas noch in den Nieren. Bei keinem der vorgestellten Meerschweinchen erfolgte der Versuch, Viren im Harn nachzuweisen; zumindest eine frische Infektion konnte jedoch ausgeschlossen werden, da die Tiere keinen Kontakt zu anderen Meerschweinchen hatten, seit sie in Besitz waren. Wenn die Erkrankung eine virale Genese hat. so müßte eine Infektion bereits im Welpenalter erfolgt sein, und es ist zu vermuten, daß die Krankheit bereits seit längerer Zeit bestand. Dies ist nicht auszuschließen: die Tiere wurden erst wegen auffälliger Veränderungen, wie Katarakt, Polydipsie und Polyurie vorgestellt, eine leichte diabetische Stoffwechsellage kann jedoch durchaus schon seit längerer Zeit bestanden haben.

LANG et al. (1976) gehen davon aus, daß Meerschweinchen mit Diabetessymptomen keine exogene Insulinquelle zum Überleben benötigen. Zwar ist histologisch eine deutliche Degranulation der ß Zellen zu beobachten, die auf einen absoluten Insulinmangel hindeutet; die Autoren finden aber keine Anzeichen für eine vollständige Zerstörung der ß-Zellen. Leider existieren keine Langzeitstudien, die diese Vermutung belegen können. Daher scheint es dennoch erforderlich, Meerschweinchen, die mit Symptomen eines Diabetes mellitus vorgestellt werden, einer Insulintherapie zu unterziehen.

Da Chinchillas als Versuchs- und Labortiere kaum eine Rolle spielen, gibt es bei dieser Tierart keine zu anderen Nagern vergleichbaren Untersuchungen zur Diabetes mellitus-Erkrankung. Entsprechend liegen auch keine Informationen über Form und Ursache der Krankheit vor. Das Auftreten der Erkrankung bei einem Tier einer Inzuchtlinie, deren Stammhalter ebenfalls erhöhte Blutzuckerspiegel aufwies, legt jedoch die Vermutung nahe, daß eine genetische Komponente eine Rolle spielt.

Über eine Diabetes mellitus-Erkrankung eines Chinchillas ist bisher erst einmal berichtet worden (MARLOW,1995), wobei es sich dabei um ein Tier handelte, das in der tierärztlichen Praxis vorgestellt wurde. Bei diesem Tier konnten eine beidseitige Katarakt, Adipositas, Polyurie, Polydipsie, Glukosurie und Ketonurie sowie ein deutlich erhöhter Blutglukosespiegel festgestellt werden. Eine Insulintherapie brachte nur kurzfristigen Erfolg. Bei der Sektion wurden eine Atrophie des Pankreas und eine starke Leberverfettung ermittelt.

Leider können auch im Rahmen dieser Arbeit keine zufriedenstellenden Therapieergebnisse vorgelegt werden. Eines der vorgestellten Chinchillas war bei der Vorstellung bereits in einem hochgradig gestörten Allgemeinzustand, und die bestehenden Organveränderungen waren bereits zu ausgeprägt, um einen Therapieerfolg erzielen zu können. Bei dem zweiten Tier konnte, wegen mangelnder Kooperationsbereitschaft des Besitzers, keine Therapie eingeleitet werden.

Die eigenen Beobachtungen unterstützen den Bericht von MARLOW (1995) bezüglich der klinischen Symptomatik. Bei dem ersten Chinchilla (Fallbericht 4) waren ähnliche Veränderungen zu ermitteln, allerdings lag keine Katarakt vor. Auch erschien der Ernährungszustand des Tieres eher mäßig zu sein. Die pathologische Untersuchung ergab allerdings, daß das Tier große Mengen an abdominalem Depotfett aufwies. So daß davon ausgegangen werden kann, daß der bei der klinischen Untersuchung festgestellte mäßige Ernährungszustand erst in der Endphase der Erkrankung entstanden war.

Die übrigen bei der Sektion ermittelten Organveränderungen (Leberverfettung, Myokarditis, Tubulonephrose, Zystitis) können ursächlich mit dem Pankreasadenom in Zusammenhang stehen.

Wie die eigenen klinischen Erfahrungen und auch verschiedene Anfragen von Kollegen aus der Praxis zeigen, stellen Diabetes mellitus-Erkrankungen bei Kleinsäugern durchaus ein Problem dar. Es erscheint daher erforderlich, in Zukunft zufriedenstellende Therapieansätze auch für Heimtiere zu entwickeln.

 

Literatur

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Danksagung

Für die Durchführung der pathologischen Untersuchungen danken wir den Mitarbeitern des Institutes für Veterinärpathologie der FU Berlin, unter Leitung von Prof. Dr. R. Rudolph.

 

Anschrift der Verfasser:

A. Ewringmann und Dr. Th. Göbel, Klinik und Poliklinik für kleine Haustiere der Freien Universität Berlin, Arbeitsgruppe für Heimtiere, exotische Tiere und Wildtiere, Oertzenweg 19b.D-14163 Berlin.