Augen

anatomisches

die Augen, anatomisches

Die Augenhöhle enthält den Augapfel (1) und dessen Muskulatur (2-5), eine Speicheldrüse (gl. zygomatica, 20), die Tränendrüse (gl. lacrimalis, 22) sowie Sehnerven (n. opticus, 10) und Blutgefäße. Die Alveolen der oberen Backenzähne sind nur durch eine papierdünne Zwischenwand von der Augenhöhle getrennt. (Bilder nach: Popesko et al.: Colour Atlas of Anatomy of Small Laboratory Animals, W.B. Saunders Ltd.; December 2002)

Mißbildungen

Anophthalmie: Luna ist ganz ohne Augen geboren.

Bei der Anophthalmie kommt ein Meerschweinchen- Baby ganz ohne Augen zur Welt. Luna (rechts) ist so geboren. Sie konnte aber nahezu problemlos mehrere Jahre in einer kleinen Herde leben.

Mikrophthalmie wird es genannt, wenn ein oder beide Augen nicht in normaler Größe ausgebildet sind. Das kann zu chronischen Entzündungen führen, wenn sich in der normal großen Augenhöhle Staub und Einstreu ansammeln.

Beim Rolllid (Entropium) sind die Lider nach innen gedreht und die Wimpern reiben auf dem Augapfel, reizen ihn und trüben ihn ein. Ein Entropium kann bereits bei Neugeborenen auftreten. Wenn man es rechtzeitig erkennt und behandelt, kann es schnell ausheilen. Dazu klebt man die Wimpern mit einer Augensalbe nach oben am Oberlid fest. Wenn sich ein Roll- Lid erst später entwickelt oder zeigt, muss das betroffenen Tier oft sein Leben lang damit zurecht kommen.

Diese Erkrankung ist bei den Schweinchen erblich, daher sollte man betroffene Eltern aus der Zucht nehmen. Es kann bei allen Rassen vorkommen, relativ häufig ist es bei Texel und Merino zu sehen.

Augenkrankheiten

Konjunktivitis, Keratitis und Keratokonjunktivitis

Keratitis

Die relativ großen Augen der Schweinchen haben keine Nickhaut als Schutzmechanismus. So können Entzündungen der Lidbindehaut und/oder der Hornhaut recht häufig durch Verletzungen (Streitereien, Heu- oder Strohhalme), Fremd- körper (Staub, Einstreu, Heu) und durch Zugluft, aber auch durch Infektionen entstehen oder ineinander übergehen.

Symptome sind vermehrter Tränenfluß, Rötung, schleimiger oder eitriger Ausfluß, die nach äußeren Reizen meist einseitig, bei Infektionen beidseitig vorkommen. Entzündungen am Auge sind meist sehr schmerzhaft, Fremdkörper sollten so schnell wie möglich fachgerecht entfernt werden.

Wenn Konjunktivitiden bei mehreren Tieren einer Herde auftreten, sollte ein Abstrich auf Chlamydien untersucht werden (PCR zum Nachweis von Chlamydophila caviae- DNA). Bei Meerschweinchen werden auch bei generalisierter lymphatischer Leukose hochgradige Entzündungen der Konjunktiven nachgewiesen (leukotische Infiltrationen).

Katarakt

Katarakt

Jede unphysiologische Trübung der Linse wird als "grauer Star" oder Katarakt bezeichnet. Ursachen können angeboren oder altersbedingt sein und als Folge von Verletzungen, Traumen, Vergiftungen, Entzündungen oder Diabetes mellitus auftreten.

Augenzittern, Nystagmus

Als Augenzittern oder Nystagmus wird eine unwillkürliche rhythmische Augenbewegung bezeichnet. Es beruht meist auf einer Störung des Gleichgewichtsorgans oder einem Trauma. Beim Meerschweinchen ist das Augenzittern hauptsächlich bei Entzündungen des Innenohres anzutreffen.

retrobulbäre Abszesse

Auge

Unserem Frl. Fuchs mußte wegen eines Abszesses hinter dem Augapfel das linke Auge entfernt werden. Das konnte aber weder ihren Appetit noch ihren "Durchblick" jemals ernsthaft beeinträchtigen. Im Gegenteil, sie war sogar beim "Kampf am Fressnapf" im Vorteil (und sie wußte das), weil sie auf dieser Seite "keine mehr aufs Auge bekommen" konnte.

Fettauge (fatty oder pea eye)

Fettauge

Beim Fettauge handelt es sich um eine Erbkrankheit, bei der der Bindehautsack des unteren Augenlides nach außen hervorquillt. In leichteren Fällen erkennt man nur ein hängendes Augenlid, das am Auge nicht ganz anschließt. Bei Meerschweinchen mit extrem breiten Köpfen tritt das Fettauge häufiger auf als bei schmalköpfigen Tieren. Schweinchen mit dieser Erkrankung sollten unbedingt aus der Zucht ausgeschlossen werden. Das Problem ist nur, das sich das Fettauge erst bei älteren Jungtieren (ca. ab 6-8 Mon.) langsam entwickelt und bei Geburt noch gar nicht zu sehen ist.

 

ossäre Choristie

ossäre Choristie

Bei der "ossären Choristie" handelt es sich um eine fort- schreitende Knochen- oder Knorpelneubildung innerhalb des Auges. Als Gründe dafür werden angeborene Ursachen oder eine Störung im Mineralstoffwechsel vermutet. Durch diese Krankheit kann der Abfluß des Kammerwassers behindert werden, der erhöhte Augen- Innendruck kann Nervenzellen zerstören, was dann zur Erblindung führen kann. Alleine die Verkalkung oder Verknöcherung hat ein gewisses Volumen, so dass eine geringfügige Vergrößerung des Augapfels eine beinahe logische Folge ist.

Grundsätzliches zur Behandlung von Augenkrankheiten

Die Augen sollten nicht ohne vorherige tierärztliche Untersuchung mit "Hausmittelchen" behandet werden.

Vor einer Behandlung mit kortikosteroidhaltigen Medikamenten muß geprüft werden, ob die Hornhaut verletzt ist. Kortikosteroide hemmen einen Neuaufbau der Hornhaut und sind deswegen kontraindiziert bei Defekten. Schäden der Kornea würden mittels des "Fluoreszein- Test" gelb angefärbt und somit sichtbar werden. Dabei sind fluoreszeingetränkte Papierstreifen vorzuziehen, weil sich in den Tropfen Pilze und Pseudomonaden entwickeln können.

Vor einer Behandlung müssen Schleim, Eiter und andere Rückstände entfernt werden, um einen Verdünnungseffekt oder die Inaktivierung des Medikamentes zu vermeiden. Das geschieht am besten mit handwarmer 0,9%iger Kochsalzlösung (Augen- Reinigungslösung) und/oder schleimlösenden Mitteln (z.B. Acetylcystein). Vorsicht: keine Verwendung von Kamille zur Reinigung des Auges! Schwebstoffe können am Auge wie Sandpapier wirken

Die Vitamine A und C sind von großer Bedeutung für die Reparatur der Hornhaut. Deshalb muss eine ausreichende Versorgung mit diesen Vitaminen sichergestellt sein. Zum Schutz des Auges vor Austrocknung, Kratzen oder sonstigen äußeren Verletzungen sind neutrale Mittel auf öliger Basis gut geeignet, z.B. Vitamin A- Öl oder -Salbe.

Tropfen oder Salben müssen von oben direkt auf den Augapfel oder die Lidbindehaut gebracht werden und dürfen auf keinen Fall mit den Lidrändern oder umgebenden Haaren in Berührung kommen (Keimverschleppung ins Auge). Die Spitzen von Flaschen oder Tuben dürfen das Auge nicht berühren, damit keine Keime in das Behältnis aufgesogen werden können. Die Arzneien verteilen sich von selbst und brauchen nicht verrieben werden.

Augensalben und Augentropfen können gleichermaßen verwendet werden. Tropfen sind leichter zu applizieren, wirken aber nur sehr kurz (ca. 5 Minuten). Salben wirken länger (ca. 15 Minuten), da aber der fettige Trägerstoff nicht resorbiert wird, verbleibt mehr Schleim im Auge.

Eine lokale antibakterielle Behandlung sollte mindestens 4 x täglich, im Bedarfsfall auch öfter, angewendet werden.

Quellen:
Stades, Neumann, Boeve, Wyman: praktische Augenheilkunde für den Tierarzt
Schmidt, V.: Augenkrankheiten der Haustiere

↑↑↑