Bei Tod, schwerer Krankheit oder Verhaltensstörungen der Mutter, wenn z.B. das Junge nicht angenommen wird, müssen die Neugeborenen künstlich ernährt werden. Bei Milchmangel ist es besser, das Neugeborene bei der Mutter zu lassen und zuzufüttern, so können Körperpflege und Sozialkontakte von ihr übernommen werden. Der Milchersatz muß der Muttermilch möglichst genau entsprechen um eine gesunde Entwicklung der Jungen zu gewährleisten.
| Zusammensetzung der Muttermilch von Meerschweinchen (Angaben pro 100 g Milch) | |
| Trockensubstanz (g) | 19,8 |
| Energie (kJ) | 530,0 |
| Rohprotein (g) | 8,9 |
| strickstofffreie Extraktstoffe (g) | 3,3 |
| Rohfett (g) | 6,5 |
Wenn die Ersatzmilch zu wenig Energie enthält, können die Jungen wegen der begrenzten Aufnahmefähigkeit ihres Magens nicht genügend Kalorien aufnehmen. Das trifft vor allem dann zu, wenn der Ersatz zu stark verdünnt wird. So ist Meerschweinchenmilch mit 80% Wasseranteil deutlich dickflüssiger als Kuhmilch (87%).
Fett ist der bedeutendste Energieträger. Neben dem absoluten Fettanteil ist auch dessen Verdaulichkeit von Bedeutung, schwer verdauliche Fette können zu Verstopfungen oder Durchfällen führen. Damit die Fette dem Fettsäuremuster der Muttermilch entsprechen, verwendet man bei Pflanzenfressern Butter oder Sahne. Als Emulgator zum Mischen des Fettes mit den wässrigen Bestandteilen ist Eigelb sehr gut geeignet, das gleichzeitig als Energielieferant fungiert.
Die Verträglichkeit von Eiweiß hängt von seinem unterschiedlichen Gerinnungsverhalten beim Kontakt mit der Magensäure ab. Am besten wird Magerquark als Eiweißquelle genutzt, da in diesem das Milcheiweiß bereits geronnen ist.

Mahlzeit
Die Zucker lassen sich ohne größere Umwege direkt zur Energiegewinnung verstoffwechseln. Saugenden Jungtieren darf jedoch ausschließlich Milchzucker (Laktose) verfüttert werden, weil ihr Körper noch nicht in der Lage ist, Rohrzucker zu verdauen. Auch sind die Möglichkeiten zur Laktoseverdauung unterschiedlich, ein Zuviel wird zu Durchfall führen. Milchzuckerreiche Babynahrung, die häufig auch Rohrzucker enthält, ist deshalb für Meerschweinchen ungeeignet.
Die Versorgung mit Mengen- und Spurenelementen (Kalzium, Phosphor, Eisen, Kupfer u.a.) erfolgt am Besten über einen Mineralfutterzusatz.
| Futtermittel (Anteil in Prozent) | % |
| Magerquark | 38 |
| Eigelb | 3 |
| Rahm (30% Fett) | 7 |
| Vollmilch | 48 |
| Speiseöl | 1 |
| Mineralfutter (mit ca. 20% Kalzium, 5-8% Phosphor) | 2 |
(ok - die Summe der obigen Werte ist nur 99, das kommt von den fehlenden Nachkommastellen. Aber sollen wir die Werte aus der Literatur fälschen ;-))
Gut zur Ernährung eignen sich auch mit Katzen- oder Nagermilch gemischte Schmelzflocken, denen man noch Babygläschen (Karotte) zugeben kann. Auch kalorienhaltige Zusatznahrung für Babies (z.B. Bioni, bevorzugt mit Vanillegeschmack) werden gerne aufgenommen.
Da neugeborene Meerschweinchen schon ab dem ersten Lebenstag selbständig Nahrung aufnehmen, genügt eine täglich Beifütterung je nach Größe und Gewicht zwischen 5 und 20 g Futter, die auf 2-3 Mahlzeiten verteilt wird. Wichtig zur Kontrolle ist oftmaliges Wiegen, die tägliche Zunahme soll bei 4 - 7 g liegen.
Um Störungen der Verdauung vorzubeugen, muss die Milchtemperatur etwa 38 Grad betragen. Zum Auslösen von Kot- und Harnabsatz, der vom Muttertier durch intensives Ablecken in Gang gebracht würde, muss man die Jungen vor und nach jeder Mahlzeit am Bauch und im Bereich des Afters vorsichtig mit einem feuchten Tuch massieren. Junge Meerschweinchen werden in sitzender Stellung gefüttert, im Gegensatz zu Kaninchen oder Chinchillas, die in Rückenlage Flüssignahrung aufnehmen.
Kienzle, E.; Landes, E.: Aufzucht verwaister Jungtiere. Kleintierpraxis 1995; 40: 681 ff