Zwangsernährung

Ein Meerschweinchen, welches nicht ausreichen Nahrung aufnimmt, sollte baldmöglichst zusätzlich ernährt werden. Da man gerade einem kranken Tier nicht auch noch eine Futterumstellung zumuten soll, muß die Zusammensetzung dieser "Päppelnahrung" bevorzugt der normalen Fütterung entsprechen. Man nimmt am Besten das gewohnte Trockenfutter, das in einer Kaffeemühle zusammen mit Heu im Verhältnis 1:1 gemahlen und mit frisch erstellten Obst- und Gemüsebreis oder mit Babygläschen (Apfel, Karotte ...) gemischt, mit einer Spritze verabreicht wird (10 - 20 ml alle 2-3 Stunden).

 

"Zwangsernährung" in einer "Zwangsjacke"
durch "Vedra" im "Cambridge Cavy Trust Hospital".

 

Bewährt hat sich die Zugabe von Kotbällchen (2-3 frische Köttel in lauwarmem Wasser aufgeschwemmt) eines gesunden Meerschweinchens, welche lebende Darmkeime und Vitamine des B-Komplexes enthalten und täglich einer Messerspitze Vitamin- C - Pulver.

Es gibt auch einige Fertigprodukte, wir bevorzugen das rein pflanzliche und optimal auf den Bedarf von Nagern abgestimmte "Critical Care". Milch- und milchzuckerhaltige Spezialitäten haben sicherlich in der Ernährung anderer Tierarten ihre Stärken, sollten Nagern aber wenn möglich vorenthalten bleiben.

 

Das Werkzeug: eine 1 ml Spritze mit abgeschnittenem Konus (rechts)

 

Die einfachste Art der Verabreichung erfolgt mit einer 1 ml Spritze mit abgeschnittenem Konus. So kann man dickere Breis zügig verabreichen und auch einhändig "nachladen". Die Spritze wird möglichst schonend seitlich an den Schneidezähnen und an den "buccal pads" vorbeigeführt (die Schweinchen können durch eine Art "Schiebetür" die Mundhöhle in zwei Hälften teilen, deswegen ist unter anderem auch der Blick auf die Backenzähne nicht ganz einfach und nur mit Hilfe von speziellem Instrumentarium "buccal pad separator" gut durchführbar).

 

Anna

Schweinchen sitzt mit dem Rücken zum Personal auf dessen Schoß.

 

Bei der Erstellung von "Päppelbrei" sind der Fantasie höchstens durch den individuellen Geschmack der Tiere Grenzen gesetzt. Hauptwerkzeuge zur Herstellung sind hier eine Reibe und ein grobmaschiges Sieb, wobei die "Dressings" jeweils zerrieben und dann durch das Sieb passiert werden. Als Grundstoff dient entweder das Critical Care, eingeweichte "Vita- Spezial- Böller", Grünrollis oder Haferecken. Dieser Teig wird dann mit geriebenem Apfel, Gurke, Paprika in rot oder gelb oder Karotte in verabreichbare Konsistenz gebracht. Anna (Bild oben) bevorzugt "zermatschte Vita- Böller", angeteigt mit dem Saft von rotem Paprika und Dillspitzenbeilage. Noch viel lieber wäre ihr wohl ein einfaches Salatblatt und wieder so richtig kräftig zubeissen zu können :-((

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