Aus: Albrecht - fachpraxis Nr. 42, Dezember 2002, Seite10 - 11
Tipps zur Behandlung der MeerschweinchenräudeDie Sarkoptesräude gilt als die am häufigsten anzutreffende Hauterkrankung des Meerschweinchens. Der Erreger, Trixacarus caviae, lässt sich mikroskopisch in der Regel nur schwer nachweisen, da die Zahl der vorhandenen Milben oft nur gering ist (Hautgeschabsel versetzen mit KOH 10 %, 20 Minuten Einwirkungsdauer, Objektiv 1 : 10)." Bevorzugte Lokalisationen sind Lippen, Nasenrucken, Hals, Rumpf und Extremitäten.
Umfangreiche Exkoriationen im Hals- und Schulterbereich als Folge von Automutilation sind pathognomonisch für Meerschweinchenräude.
Das klinische Erscheinungsbild wird bestimmt durch Unruhe, hochgradigen Pruritus mit epileptiformen Krämpfen, Gewichtsverlust, Hautfältelung mit starker Schuppenbildung und blutende Hautläsionen infolge Automutilation. Die Therapie, die auch im Verdachtsfalle vorgenommen werden sollte, muss die Eradikation der Milben auf dem Tier zum Ziel haben. Alle Kontakttiere sind einzubinden. Am wirkungsvollsten erwiesen sich wiederholte Injektionen mit Ivermectin.
Zustand 3 Wochen nach Behandlungsbeginn
Da Juckreiz vor allem durch Überempfindlichkeit gegenüber dem Milbenkot entsteht, ist die zusätzliche Verabreichung von Prednisolon (1 mg/kg Körpergewicht) über mindestens 5 Tage indiziert. In länger bestehenden Fällen können die Primärläsionen durch bakterielle Infektionen oder Dermatophyten überlagert werden, die entsprechend zu therapieren sind. Besonders hartnäckig und problematisch gestaltet sich häufig die Behandlung der Hautkrusten und Exkoriationen, da diese während des Abheilungsprozesses ständig von neuen durch intensives Beißen und Kratzen alteriert werden.
Das Tragen eines Halskragens beeinträchtigt das Meerschweinchen nur in geringem Umfang. Lediglich Schlafhäuschen müssen wegen des zu engen Schlupfloches entfernt werden
Hier erweist sich der Halskragen für Nager, Bezug A. Albrecht, als ausgesprochen hilfreich, da er das Beißen und Kratzen im Kopf-, Hals- und Schulterbereich wirksam unterbindet. Er ist einfach mit einer Mullbinde zu fixieren und behindert die Meerschweinchen weder bei der Futteraufnahme noch bei der Fortbewegung. Auch innerhalb des Rudels verursacht er keinerlei Beeinträchtigungen im Verhalten der Tiere zueinander. Da wir keine Erkenntnisse darüber gewinnen konnten, ob der Kragen bei der Aufnahme der Zoekotrophe hinderlich ist oder nicht, empfiehlt sich die Abnahme täglich für kurze Zeit in den Abendstunden. Zusätzliche Zehenverbände an den Hinterextremitäten, bestehend aus einer dünnen Lage Rolta und Alflex 2,5 cm, verhindern das Kratzen seitlich am Rumpf. Sie werden bei uns jeweils im Abstand von 3 Tagen erneuert. Das Scheren der Haare beschleunigt die Abheilung der Hautveränderungen ebenso wie das tägliche Auftragen von Vet-Sept Salbe (Bezug A. Albrecht). Die Einstreu ist für die Zeit der Salbenbehandlung durch eine textile Käfigeinlage zu ersetzen.
Zusätzliche Zehenverbände an den Hinterextremitäten verhindern das Blutigkratzen seitlich am Rumpf.
Das Optimieren der Haltungsumstände (Fütterung, Unterbringung, Vergesellschaftung mit Artgenossen) ist von entscheidender Bedeutung, da vor allem Stressfaktoren zur Manifestation der Räudeerkrankung führen.
Anschrift der Verfasser:
Ein Fahndungsfoto des Übeltäters: trixacarus caviae |