de taraxaco officinale

Über Zucht und Aufzucht des 'Gemeinen Löwenzahn' (Taraxacum officinale) unter besonderer Berücksichtigung artgerechter und pflanzenschützerischer Aspekte seiner Haltung, Ernährung, Er- und Zerlegung (Meier, F.; 2000)

Eine deutschsprachige Veröffentlichung braucht einen leicht verständlichen und doch aussagekräftigen Titel. Die englische Version wird "Dandelion hunting", die französische "Pissenlit mon ami" und die bayerische "Löwenzahn fress' mer zamm" heißen).

 

Warum heißt diese köstliche Pflanze ausgerechnet "gemeiner" Löwenzahn?

?

Na weil sie so un"gemein" schmackhaft ist ;-))

 

Die "gemeine Kuhblume", besser bekannt als "gemeiner Löwenzahn", ist ein zungenblütiger Korbblütler, der auf Wiesen und Weiden und im Gebirge bis 2100 m Höhe wächst. Diese 15-30 cm hohe, mehrjährige Pflanze blüht in den Monaten März bis September. Sie besitzt einen langen hohlen Stengel, in dessen Milchröhren ein charakteristisches Sekret, der Milchsaft, gebildet wird. Dieser enthält sekundäre Pflanzenstoffe wie Zucker, Stärke, Eiweiß, Öle, Kautschuk und Flavone.

Eine beachtenswerte Fähigkeit des Löwenzahn ist die sog. "Modifikation", eine nicht erbliche, umweltbedingte Anpassungsfähigkeit. Teilt man den Wurzelstock einer Pflanze und pflanzt die Teile unter verschiedenen Umweltbedingungen (Weide, Naßwiese, Lehmboden, Gebirge) erhält man Pflanzen von sehr unterschiedlichem Aussehen. So ist auch die Vielfalt der täglich sammelbaren Löwenzähne erklärbar, je nach Bodenqualität, Lichteinfall oder Lage können die Pflänzchen ein anderes Aussehen annehmen.

Nur wenige Menschen wissen, daß Löwenzahn eine vorzügliche Heilpflanze ist. Sie enthält in Blättern, Blüten und der Wurzel verschiedene Bitterstoffe, Vitamine, Mineralstoffe, Cholin und Inulin. Die Heilwirkung dieser Inhaltsstoffe kann chronische Gelenkserkrankungen, chronische Hautleiden, chronisches Rheuma, Leber- und Gallenleiden, Nierensteine und Wassersucht positiv beeinflussen.

Wie viele Frühlingspflanzen hat der Löwenzahn eine ausgeprägt blutreinigende Kraft und eignet sich daher vorzüglich zu einer Frühjahrskur. Löwenzahntee regt sämtliche Verdauungsorgane und Niere und Blase an, dadurch werden alte Schlacken ausgeschieden.

Auch in der Ernährung hat der Löwenzahn vor allem im Frühling seinen Platz. Die zarten jungen Blätter ergeben leckere Salate.

Über diese wichtige Kulturpflanze kann man sich im Internet unter verschiedenen Adressen informieren, wer noch des Bücherlesens fähig ist, findet speziell in der botanischen Literatur brauchbare Anregungen.

Soweit die Theorie. Über die unserer Ansicht nach wirklich wichtigen und interessanten Details des Löwenzahnlebens schweigt sich die Literatur aus. Aber erstens sind wir Spezialistinnen in Sachen Löwenzahn und kennen zweitens einen renommierten Löwenzahnologen, der uns gerne über viele Einzelheiten löwenzahnigen Daseins eingehend und leicht verständlich informiert.

Das Objekt unserer Begierde!

Wovon ernährt sich so ein Löwenzahn eigentlich? Ist er Fleischfresser, weil man ihn häufig zusammen mit Mücken, Hummeln oder Bienen sieht? Ist er Vegetarier, der sich mit seinen oberirdisch angebrachten gezahnten Blättern auf die Jagd nach Gras macht und somit ein direkter Nahrungskonkurrent für Meerschweinchen ist? Auch Kynologen können anhand von Zahnstellung und Form darüber keine definitive Aussage machen.

Weit gefehlt - er ist Mineraliker und saugt sich sein Essen tatsächlich nur mit den Wurzeln aus dem Boden. Ihr könnt euch das ungefähr so wie eine Mücke vorstellen, die mit ihrem Rüssel ein Schweinchen ansticht und Blut aussaugt, oder wie euer Personal, wie sie/er mittels eines Strohhalmes ein Gläschen Campari/Weißbier leerschlürft.

Im Frühjahr färbt sich das Löwenzahn- Weibchen die Haare mit frischem Gelb, um damit die Jungs anzulocken. Als Tönung benutzt sie dazu die natürlichen, ungiftigen und wasserlöslichen Flavone. Damit steigert sie zwar ihre Attraktivität für diverse Insekten und Touristen, die Herren scheinen sich jedoch vornehm zurückzuhalten. Irgendwie tut sie uns schon leid, wenn wir uns vorstellen, daß sie die ganze Zeit von lästigen Insekten umschwärmt wird. Da ist uns böckisches Werbeverhalten schon wesentlich lieber, obwohl das auch ganz schön nervig sein kann ;-))

Obwohl unser Spezialist noch nie einen Löwenzahn- Bock beim Werben um seine Angebetete beobachten konnte, schafft sie es scheinbar trotz dieser Insektenplage, zum gewünschten Ziel, der Befruchtung (beim Menschen auch "Zufall" und das Ergebnis "Rainer Zufall" genannt), zu kommen. Nach wenigen Wochen zeigt sie dann ihr wahres Gesicht und legt sich graue Haare zu. Jetzt ist die letzte Möglichkeit gezielter Familienplanung gekommen. Behält sie diese Haare für sich, dann hat sie alle Höhen des Liebeslebens ohne weitere Folgen genossen, läßt sie sich diese Häärchen vom Wind oder von vorbeikommenden Kindern vom Kopf blasen, dann wird sie "Pusteblume" genannt und die Vermehrung nimmt ungehemmt ihren Lauf.

Diese Haare ähneln kleinen Fallschirmen, an deren Ende ein klitzekleines Körnchen hängt: Saatgut für neuen Löwenzahn. Durch geschicktes Manövrieren steuern die künftigen Jungpflanzen bevorzugt leichte und lockere Böden an, um sich dort vor ihren vielen Feinden schnell unterirdisch in Sicherheit zu bringen. Stellt euch das nur einmal vor - wegen einiger Kinder die ganzen Haare verlieren!!! Weniger empfehlenswert!

Ein besonders schönes "english crested"- Exemplar

Mutter Löwenzahn wird nach dieser Aktion schnell holzig und unansehnlich (auch ein Grund, der gegen Nachwuchs spricht) und konzentriert sich ab sofort nur noch auf ihr eigenes (Breiten-)Wachstum. Sie ist dann zwar immer noch "schweinchen- ess- tauglich", in Geschmack und Frischezustand aber schon deutlich gegenüber Jungpflanzen reduziert.

Aus diesen Samen wachsen nach Abwerfen der Fallschirme in kurzer Frist neue Pflänzchen, die zunächst oval und völlig ohne Zacken dastehen. Die Zähne scheinen beim Durchbruch durch den Boden hinderlich zu sein oder Mutter Natur will vermeiden, daß die Kleinen schon zu diesem Zeitpunkt "ins Gras beißen". Im Verlauf weniger Tage resultiert durch das Längenwachstum der Blätter die deutliche, namengebende Zahnung.

Jetzt ist das Jungvolk beliebtes Opfer von Meerschweinchen- Fans. Wenn man sich ein wenig auf die Lebensgewohnheiten der Pflanzen eingestellt hat, dürfte es bei normalem Wetter ab Mitte März kein Problem sein, Löwenzahn wenigstens in Kleinmengen zu finden. Unser Personal hat dafür einen besondern Blick. Schon auf hunderte Meter Entfernung sieht er einem Gebiet an, ob dort mit Löwenzahn zu rechnen ist. Das ist auch kein Kunststück, denn momentan sind die besten Jagdgründe die Südostränder von Nadelwäldern. Dort ist, im Gegensatz zu Laubwäldern, in denen eine dichte Decke aus verklumpten Blättern die Erde versteckt, stets lockerer Boden, ganztägig ungehinderter Sonnenschein (so vorhanden) und gegen Schlechtwetter und Sturm schützen die Bäume. Da müßt ihr nachsehen und dort werdet ihr ihn finden.

Aber schaut genau hin, denn auch der Löwenzahn stellt sich auf seine Feinde ein! So versteckt er sich bevorzugt zwischen Brennesseln, unter stacheligen Sträuchern und dornigen Büschen. Oft sucht er Schutz in der Nähe von Kuhfladen oder Disteln und stellt an alten Mauern und Halden hinterlistige Fallen für seine Verfolger auf. Wenn er Autoabgase dem Verzehr durch Heimtiere vorzieht, bezieht er Position an Straßen- und Wegrändern, von wo ihn gesundheitsbewußtes Schweinepersonal nie und nimmer ernten wird.

Das Pflücken der Blätter verursacht der Pflanze übrigens keine Schmerzen, sofern es professionell durchgeführt wird! Im Gegenteil sorgt ein schneller, glatter Riß oder Schnitt für spontanes Nachwachsen frischen Grüns an der Trennstelle. Unter pflanzenschützerischen Aspekten ist lediglich ein stumpfes, stufenförmiges oder gezacktes Durchtrennen zu verurteilen. Ebenfalls sollten die schmerzempfindlichen Wurzeln im Interesse schweinischer Ernährung im Boden belassen werden. Man rottet nicht die Pflanze aus, die einen ernährt.

Abschließend wollen wir noch erwähnen, daß es im Fachhandel und bei uns im Garten auch einen wohlschmeckenden Kulturlöwenzahn gibt. Dieser kann auch in Wintergärten oder auf Fensterbänken vorgekeimt werden und ist ein ausgesprochen pflegeleichter Zimmergenosse. Zwar kein Vergleich zum frischen, wald- und wiesengeernteten Exemplar, aber immer noch besser als gar keiner! Leider ist er etwas anfällig gegen einen mehltauähnlichen Pilz.

Wenn ihr wieder einmal auf die Pirsch nach frischem Löwenzahn geht, beherzigt dieses Jägerlatein. So werdet ihr selten in löwenzahnige Mangelsituationen kommen und bei eueren Schweinchen stets gern gesehenes Personal bleiben.

Da der Löwenzahn, ähnlich wie auch wir Meerschweinchen, ein sehr sozial eingestelltes Lebewesen und eine Einzelhaltung nicht artgerecht ist, sollte er aus pflanzenschützerischen Gründen niemals alleine verspeist werden, sondern immer zusammen mit einer möglichst großen Gruppe von Artgenossen.

Eine brennende Frage vieler leidgeprüfter Schweinchen ist, ob beim Löwenzahn auch Zahnfehlstellungen und Brückenbildungen vorkommen. Das ist nach unserer Erfahrung schon der Fall, diese sind aber nicht relevant, weil die Pflanze ihre Zähne nicht zum Essen benutzt und Fehlstellungen schnell erkannt werden, leicht zugängig und unkompliziert behebbar sind.

Möge euch Löwenzahn immer in ausreichender Menge zur Verfügung stehen und vor allen Dingen stets köstlich schmecken! Die Jagdsaison ist eröffnet! Als Schonzeit wurde die Zeit vom 24. - 27. Dezember festgelegt!

Guten Appetit!

Fenster schließen